‚Die schön­sten Geschichten für starke Mäd­chen’?

Meine Tochter (6) hat zu Wei­h­nachten von jeman­dem ein Buch geschenkt bekom­men: ‚Die schön­sten Geschichten für starke Mäd­chen’.

Sie liest den Titel und fragt mich ver­ständ­nis­los und leicht skep­tisch ‚Warum nicht Jungs?!’

Ähm... ja. Sie hat den Nagel auf den Kopf getrof­fen. Wieder einmal ist ein Parade-Beispiel von kon­stru­ierter Gender-Schubladen-Differenzierung an meiner eigentlich sonst sehr stren­gen Zensur vor­beigeschlüpft.

 Princess Hannah

‚Starke Mäd­chen’... wer soll das denn sein??

Zuerst denke ich natür­lich, ‚Hey, klar... auch Mäd­chen können selb­stvertändlich stark sein und meiner Tochter wün­sche ich das’. Wir wollen ja schließlich aufräu­men mit dem Bild vom ‚Schwachen Geschlecht’, oder nicht? Ich nicke das Buch ab und denke mir nichts weiter dabei. Großer Fehler.

‚Bekan­nte Autoren erzählen von Mäd­chen­power.’ lautet der Sub­ti­tel und der Klap­pen­text erk­lärt uns: ‚Die Geschichten han­deln von Mut, Abschied, Liebe und Fre­und­schaft. Und es wird schnell klar: Mäd­chen sind ein­fach unschlag­bar!’

Wie bitte, ‚Mäd­chen­power’? ‚Liebe und Feund­schaft’ sind ‚Mäd­chen­power’? Mäd­chen, die sich auch mal etwas ‚trauen’, das Jungs ganz selb­stver­ständlich machen, sind ‚stark’?! Weil ‚stark sein’ eigentlich Jungs-Sache ist; für Mäd­chen beson­ders erwähnens- und erstrebenswert?! Und über­haupt, was genau sind denn ‚Geschichten für Mäd­chen’??

Ich könnte kotzen.

Aber zum Glück ist meine 6-jährige Tochter hellwach - vom all­ge­gen­wär­ti­gen Gender-Stempel (noch) unver­dor­ben. So kann ich von ihr noch einiges lernen!

Sie hat das Buch weggelegt und schlicht beschlossen: ‚Das lese ich nicht.’

Ich werde also in Zukunft nach Geschichten für starke KINDER Auss­chau halten. :)

Dein Senf

(4 in your language.)
  1. als wir noch in der schweiz lebten, waren unsere töchter stark darauf fix­iert, nach klas­sis­chen gender-maßstäben zu funk­tion­ieren. sie hätten wohl sogar solch ein buch nicht rol­lenkon­form genug gefun­den.
    das haben sie hier in berlin wieder abgelegt. ich konnte daran ganz gut beobachten, wie die peer-umgebung die wahrnehmung und wer­teen­twick­lung eines kindes prägt.
    (vielle­icht hätte auch ein umzug in einen anderen teil des landes oder gar der stadt gere­icht. ;))

  2. oft sind das sogar nur einzelne men­schen, die diesen ein­fluss ausüben. oder wieder umkehren.

    aber kann das auch eine phase sein??

  3. kann schon. ich fand nur augen­fäl­lig, wie sich das bei beiden kindern, die drei jahre auseinan­der liegen, mit dem umzug wan­delte.

Gib deinen Senf dazu!

Gast-Kommentar Login

*